Grauer und Grüner Star bei Hunden und Katzen. Wie behandeln?

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Wenn die Augen Probleme machen und Erblindung droht

Der Graue Star (Katarakt) ist eine sehr bekannte und bei Hunden weit verbreitete Augenerkrankung. Katzen sind seltener davon betroffen. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Trübung und Formveränderung der Linse und Linsenkapsel.

Man unterscheidet Primärstar und Folgestar

Der Primärstar tritt unabhängig von anderen Erkrankungen des Auges oder des Gesamtorganismus auf und ist in den meisten Fällen erblich bedingt. Er kann schon in jugendlichem Alter in Erscheinung treten oder auch erst später. Auch die meisten Fälle vom sogenannten Altersstar sind erblich bedingt. Der Altersstar beginnt mit einer Trübung des Linsenkernes, die nur langsam fortschreitet. Es dauert manchmal Jahre, bis die vollständige Erblindung eintritt.

Der Folgestar tritt – wie schon der Name sagt – als Folge von Augenerkrankungen oder Erkrankungen des Gesamtorganismus, wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, auf. Aber auch Vergiftungen und Verletzungen (z.B. Katzenkrallenverletzungen) können zum Grauen Star führen. Bei Katzen ist der Graue Star oft die Folge von Infektionskrankheiten, wie FIP, FIV, Leukose, Toxoplasmose und Herpesinfektionen.

Der Grüne Star (Glaukom) entsteht durch eine Störung im Abflusssystem des Auges, so dass das Kammerwasser aus der vorderen Augenkammer nicht abfließen kann, wodurch sich der Augeninnendruck erhöht. Der Augapfel vergrößert sich und die gesamte Augenoberfläche ist getrübt. Durch den hohen Druck im Auge wird die Netzhaut zerstört, was sehr rasch  zur Erblindung des betroffenen Tieres führt. Katzen sind vom Grünen Star seltener betroffen als Hunde.

Auch hier unterscheidet man Primärglaukom und Sekundärglaukom.

Primärglaukome beruhen auf angeborenen Missbildungen im Abflusssystem des Auges und sind zum Großteil erblich bedingt. Es kann einige Jahre dauern, bis das Kammerwasser nicht mehr abfließen kann und sich das Glaukom entwickelt.

Sekundärglaukome sind die Folge von entzündlichen Erkrankungen im Auge, von stumpfen Traumen (z.B. Schlag aufs Auge), Tumoren oder von Infektionskrankheiten.

Bei Katzen sind oft die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) und die Leukose Auslöser. Bei diesen Leiden werden entzündungsbedingte Absonderungen in der vorderen Augenkammer abgelagert, die den natürlichen Abfluss der inneren Augenflüssigkeit erschweren oder blockieren.

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Muss Grauer Star operiert werden?

Jeder Graue Star sollte möglichst frühzeitig operiert werden, solange die Linsenkapsel noch durchsichtig ist. Mit dem Fortschreiten des Grauen Stars trübt sich die Kapsel ein und die Kunstlinse kann nicht mehr in den natürlichen Linsensack implantiert werden. Es sollte jedoch vor der Operation darauf geachtet werden, ob Sehnerv und Netzhaut noch keinen Schaden gelitten haben. Andernfalls wäre die Operation vergeblich.

Was geschieht bei einer Staroperation und unterscheidet sich die Operation beim Tier von der beim Menschen?

Bei der Staroperation beim Tier wendet man die gleiche Methode an wie beim Menschen. Mit einem winzigen Schnitt – nur 3 1/2 mm – eröffnet man Hornhaut und Linsenkapsel. Dann fährt man mit einer Ultraschallspitze in den Linsensack und zertrümmert mit Ultraschall das Linseneiweiß, welches mit einer Spülflüssigkeit herausgespült wird. In den verbliebenen, durchsichtigen Kapselsack wird jetzt die Kunstlinse implantiert. Die Kunstlinse aus Silikon wird zusammengefaltet ins Auge eingesetzt und entfaltet sich dort selbst.

Gibt es für Tiere Kunstlinsen?

Kunstlinsen gibt es für Hunde, Katzen und Pferde, wobei Hunde die häufigsten Empfänger sind. Es gibt aber  auch die Möglichkeit der Staroperation ohne Kunstlinse  – eventuell aus finanziellen Gründen oder wenn bei einem weiter fortgeschrittenem Star die Linsenkapsel bereits eingetrübt ist.Der Hund sieht dann zwar wieder, ist aber weitsichtig und sieht in der Nähe nur verschwommen. Setzt man aber die Kunstlinse ein, dann sieht der Hund auch in der Nähe scharf, erkennt also auch den Ball vor seiner Nase.

Was passiert, wenn man den Grauen Star nicht operiert?

Wenn der Graue Star fortschreitet, quillt die Linse auf und kann den Abfluss des Kammerwassers (Flüssigkeit im Auge) beeinträchtigen und so bei Tieren mit Glaukombereitschaft einen Grünen Star auslösen, was sehr gefährlich ist. Ist der Graue Star dann überreif, wird die Linse durchlässig und das Linseneiweiß tritt ins Auge aus. Schwere entzündliche Erkrankungen des inneren Auges sind die Folge. Meist ist dann nur noch das Herausnehmen des ganzen Auges möglich. Es ist daher wirklich wichtig, den Grauen Star möglichst frühzeitig zu operieren. Nicht jedes Tier ist in der körperlichen Verfassung, um operiert zu werden. Sprechen Sie mit ihrem Tierarzt.

Warum sind gerade zuckerkranke Tiere besonders gefährdet für Grauen Star?

Bei diabetischen Tieren quillt durch den überschüssigen Zucker im Organismus das Linseneiweiß, es entsteht sehr schnell eine Katarakt. Man sollte möglichst bald operieren.

Hundegesundheit: Augen

Wie erkennt man den grünen Star und was kann man dagegen tun!

Glaukomkranke Tiere haben gerötete Augen, weite Pupillen und erhöhten Augendruck. Bei allen entzündlich erscheinenden Augenveränderungen sollte man auch ans Glaukom denken und es vom Tierarzt sehr genau abklären lassen. Leider ist die Therapie beim Grünen Star bei Tieren noch sehr unbefriedigend; die Methoden, die beim Menschen angewendet werden, funktionieren beim Tier nicht.

So sprechen Tiere auf Medikamente gegen den Grünen Star äußerst schlecht an, viel schlechter als der Mensch. Auch die beim Menschen erfolgreiche Operationsmethode zur Verbesserung des Abflusses des Kammerwassers mittels eines Silikonschlauches ist beim Hund nicht erfolgreich. Da der Hund im Auge mehr Fibrin produziert als der Mensch, verklebt der Schlauch. Außerdem ist die Vernarbung beim Hund so stark, dass leider alles zuwächst.

Welche Möglichkeiten der Glaukomtherapie gibt es beim Hund ?

Man kann es mit dem Lasergerät versuchen. Man lasert den Ciliarkörper, also das Organ, das das Augenwasser produziert. Durch die Zerstörung des Ciliarkörpers mit dem Laser dämmen man die Flüssigkeitsproduktion des Auges ein. Aber auch hier ist der Erfolg sehr oft nicht zufriedenstellend. Es bleibt dann nur die Möglichkeit, das Auge herauszunehmen. Wobei man sagen muss, dass die Tiere in den meisten Fällen ohnehin schon blind waren, weil der hohe Augeninnendruck die Netzhaut zerstört hat.

Brauchen die Tiere nach den genannten Operationen einen Klinikaufenthalt und wann ist wieder normale Bewegung erlaubt?

Die Tiere können nach allen genannten Eingriffen am selben Tag wieder nach Hause gehen; nur Tiere mit schweren Allgemeinerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes, müssen noch einen Tag zur Kontrolle an der Klinik bleiben. Die operierten Vierbeiner bekommen eine Halskrause und müssen zwei Wochen an der Leine gehen.

Ist eine Nachbehandlung nötig?

Ja, die Tierbesitzer  müssen über einen längeren Zeitraum täglich Augentropfen verabreichen, manchmal sogar lebenslang. Die gewissenhafte Nachbehandlung mit den Augentropfen ist beinahe ebenso wichtig wie die Operation selbst.

 

Univ. Prof. Dr. Barbara Nell  1210 Wien, Veterinärplatz 1 |  barbara.nell@vu-wien.ac.at

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2016-10-12T18:48:21+00:00 Oktober 10th, 2016|Gesundheit, Hund, hunde-krankheiten, Katze|0 Kommentare

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