Hunde und Katzen sind – gesund für die Menschen?

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Horst M. Lampe

Wer sorgt hier für Aufregung?

Hunde und Katzen sind – jeder auf seine Weise – gesund für die Menschen, obwohl diese sich gelegentlich über uns aufregen. Wer sich einen Hund zum Gefährten nimmt und artgerecht mit ihm umgeht, kommt öfters an die frische Luft, stärkt beim Wett-lauf Herz und Muskeln, tut etwas für den Kreislauf und speckt ab.

Selbstverständlich nur, wenn er sich (und seinem Hund) dieses Vergnügen regelmäßig gönnt und den Pflegebefohlenen nicht nur an den nächsten Baum führt, damit er dort seine Pflicht tun und für weitere acht Stunden stubenrein bleiben kann.

Wer sich eine Katze zur Gesellschafterin wählt, lebt gesünder, wenn er sich ihrer philosophischen Gelassenheit anpaßt. Wir verlangen nicht, daß man uns ständig und nicht selten mitten in der Nacht zum Beinheben führt. Wir sind keine Partner für Dauerspaziergänge und Laufwettbewerbe.

In unserer Gegenwart wird der Puls nicht beschleunigt, sondern beruhigt. Mit uns kann man sich wunderbar entspannen. Uns kann man beim Lesen, Schreiben, Musikhören und Fernsehen auf den Schoß nehmen und uns währenddessen in Gedanken versunken streicheln. Was selbst nach Meinung gebildeter Professoren Streß abbaut und Herzkranken hilft.

Um mit einem Hund zu spielen, muß man Stöcke, Steine oder Tennisbälle werfen können, und zwar möglichst weit, was auf die Dauer besonders ältere Zweibeiner überanstrengt. Manche Hunde springen dafür sogar ins Wasser und machen anschließend ihren Spielgefährten naß, weil sie sich gründlich vor ihm ausschütteln, bevor sie den apportierten Gegenstand abliefern.

Um sich mit uns zu vergnügen, genügt ein Bindfaden, ein Gummiband, ein Wollknäuel, ein Pingpong-Ball oder ein Fisch an einer Angel, wobei letzterer notfalls auch aus Kunststoff sein kann. Spiele also, die selbst der alte Mensch beherrscht.

Der Fairneß wegen muß aber gesagt werden, daß wir auch einen Nachteil haben gegenüber unseren Mitbewerbern um die Gunst der Zweibeiner. Wer sich mit seinem Hund in der Öffentlichkeit zeigt, gewinnt – je nach Klasse und Statur des Hundes – an Autorität. Sein Selbstwertgefühl steigt und damit sein persönliches Wohlbefinden.

Eine Katze wirkt selbst dann nicht als Statussymbol, wenn sie, mehrfach veredelt, sich kaum noch bewegend, sphinxisch auf seidenen Bettdecken oder Brokatkissen ruht. Um ihren Wert wissen nur Kenner, während jeder Dummkopf in Achtung erstarrt, wenn er einem Pekinesen, Scotch oder Neufundländer vorgestellt wird.

Nur wenige genießen wie meine Familie die Vorteile einer zweifachen Gesundheitsvorsorge. Sie haben einen Partner für Fitneßtraining und lautstarke Debatten, die den Blutkreis bewegen. Sie genießen, außerdem das Glück der Nähe eines anschmiegsamen und selten widersprechenden Zuhörers von erholsamer, geradezu einschläfernder Gleichmut.

Leider können wir nicht garantieren, daß diejenigen, die uns an Kindes Statt angenommen haben und in den Genuß unserer therapeutischen Vorzüge kommen, tatsächlich gesund bleiben. Kluge Zweibeiner, die fast nichts anderes tun, als sich um das körperliche und seelische Wohlergehen ihresgleichen zu kümmern, haben herausgefunden, daß man in Gesellschaft länger lebt als allein.

Auch dafür, daß Hund und Katz ein probates Mittel gegen Vereinsamung und Depressionen sind, gibt es Beweise.

Die Menschen bringen es aber fertig, Krankheiten zu kriegen, gegen die auch der sportlichste Hund und eine Katze mit den schönsten balsamischen Kräften hilflos sind. Wenn es dann neben dem maladen Hundeherrchen beziehungsweise der kranken Katzenmutter wenigstens noch ein anderes Familienmitglied gibt, das uns versorgt, so daß wir in der gewohnten Umgebung bleiben können, hält sich unsere Trauer in Grenzen. Schlimm wird es für uns, wenn wir die einzigen Verwandten waren und ins Asyl müssen.

Mammi war in letzter Zeit öfter im Schlafzimmer geblieben, Daddy mit sorgenvoller Miene herumgelaufen und ärgerlich.

geworden, wenn sich gleich alle acht Pfoten um sie herum ausgestreckt hatten. Barzi verteidigte meist erfolgreich seinen Platz neben dem Bett. Aber ich mußte regelmäßig das Kissen neben Edith räumen, obwohl unser geliebtes Weibchen ein gutes Wort für mich einlegte.

Manchmal erschien ein Mensch, der mit »Herr Doktor« angesprochen wurde. Dann mußten wir das Krankenzimmer verlassen und uns in eine Ecke legen, damit Daddy, der rastlos in der Wohnung herumlief, nicht über uns stolperte. Nur Oma blieb von der Unruhe unbeeindruckt und fand, daß Putzi zuviel Wirbel »um die natürlichste Sache von der Welt« mache.

Daß sich Hunde leichter irritieren lassen als Katzen, bestreiten nur diejenigen, die entweder keine Erfahrung mit beiden haben oder noch nicht mit ihnen umgezogen sind. Ein Haushalt in Auflösung macht den Hund nervös, wenn er nicht taub und blind ist, denn er wird sich immer von der Unruhe seiner Familie anstecken lassen. Das ändert sich auch nicht, wenn er schon ein paar Mal mitgezogen worden ist und eigentlich daran gewöhnt sein sollte.

Barzi jedenfalls streifte durchs Haus, ständig auf dem Sprung, als wäre er der einzige Wächter über all das herumstehende Durcheinander und müßte jedes Stück einzeln verteidigen. Ich dagegen entdeckte – alten Gewohnheiten und meiner Vorliebe für verschwiegene Plätze nachgebend – immer neue Verstecke in noch nicht verschlossenen Kartons und Kisten.

Ein Kasten fand mein besonderes Interesse, und es kostete mich viel Mühe hineinzuschlüpfen. Aber die Anstrengung hatte sich gelohnt. Denn zwischen der duftenden Wäsche unseres Weibchens ruhte sich’s besonders weich und einschläfernd.

Leider dauerte der Genuß nicht allzu lange, denn unser selbsternannter Aufpasser schnüffelte mich heraus, wofür ihn die übrige Familie noch extra lobte, während ich mir anhören mußte, daß ich mit zunehmendem Alter immer instinktloser würde.

»Morgen um diese Zeit sind wir in der Luft«, kündigte der Sippenchef an. »Die Nacht darauf schlafen wir schon in Atlanta. Du kehrst in deine alte Heimat zurück, Taschentiger!«
»Ich dachte, Atlanta liegt in Georgia«, meinte Oma.

»Das darf man nicht so eng sehen«, klärte sie der Boß auf. »Mit dem Flugzeug bist du in einer Stunde in Florida, und mit dem Auto dauert’s auch nicht länger als einen halben Tag.«
»Wenn Nobbi in Florida geblieben wäre, hätten wir wieder hinziehen können«, sagte Edith bedauernd.

»Wenn er Veterinär werden wollte, hätte er ja auch nach Gainesville gehen können«, antwortete Daddy. »Aber du weißt ja selbst, daß ihn Menschen mehr interessieren als Tiere – trotz Mau. Fürs Medizinstudium ist Emory in Atlanta die bessere Uni. Übrigens hätten wir ja nicht hingemußt, aber du glaubst ja, daß er ohne uns nicht zurechtkommt.«
»Er ist doch noch so klein und braucht unsere Hilfe – wenigstens für die erste Zeit«, sagte Edith.

»Dein Sohn ist alt genug, um in der Anatomie Gebeine auseinanderzunehmen; da wird er sicher auch in der Lage sein, sich selbst Suppe zu kochen und seine Wäsche zu waschen«, behauptete Putzi.

»Ich freue mich auf Florida und unseren Herrn Doktor«, verkündete Oma, die manchmal die Dinge ein bißchen durcheinander brachte.

Um die folgenden Ereignisse zu verstehen, muß man bedenken, daß wir Katzen für die Zeiteinteilung der Menschen wie für ihre Art von Planung über die allernächsten Schritte hinaus wenig Verständnis aufbringen. Uns deswegen jedes Verantwortungsgefühl abzusprechen, ist allerdings ungerecht. In Wahrheit bleiben wir nämlich nur natürlich und komplizieren nicht alles so wie diejenigen, die sich vor lauter Besserwisserei das Leben schwermachen.

Minze war ein ausgezeichneter Jäger, wenn’s um leichte Beute ging. Sie wußte genau, vor welchem Mäuseloch sich das Warten lohnte und setzte sich so davor, daß die Bewohner, wenn sie das Nest verließen, ihr ahnungslos zwischen die Pfoten liefen.

Ich bewunderte die Geduld meiner Nachbarin, mit der sie auf die kleinen Nager wartete, und ihr Geschick, sie immer wieder einzufangen, nachdem sie ihnen eine Chance gegeben hatte. Mir selbst machte diese Art von Unterhaltung keinen Spaß.

Wer sich von klein auf Gefahren zu stellen hat, die sich weitaus schwieriger berechnen lassen, ist an solchem Spielzeug nicht interessiert. Katzen mit wildem Blut jagen, wenn sie Hunger haben, und kämpfen, um ihren Platz zu behaupten. Als mich Kathrins Katze in der Nacht zum Ausflug auf ein Mäusefeld einlud, ging ich zwar mit, begnügte mich jedoch mit der Rolle des stillen Beobachters.

Daß die Kätzin dieses Mal mehr im Sinn hatte als die Jagd auf Mäuse, begriff ich erst später. Nach einer Weile war sie des einseitigen Spiels müde geworden und führte mich in Bauer Hurtigs Scheune. Auf kitzligem Heulager gab sie zu verstehen, daß sie es an der Zeit fand, unsere Freundschaft zu bekräftigen.

Wo die Gunst der späten Stunde sowie ein geeignetes Umfeld vor unliebsamen Störungen durch stöbernde Hunde oder verständnislose Zweibeiner schützen und Sympathie auf beiden Seiten besteht, sind die Voraussetzungen ideal für ein bißchen Zärtlichkeit. Auch wenn Putzi mir bei Minzes Verwandtschaft die Fähigkeit zur letzten Konsequenz gröblich verallgemeinernd abgesprochen hatte, schloß das noch lange nicht jedes Gefühl aus. Alle Kater schmusen schließlich gern. Meiner Partnerin schienen meine Anstrengungen jedenfalls zu gefallen, wie ich an ihren unermüdlichen Anfeuerungsrufen unschwer erkennen konnte.

Wer sich redlich bemüht, hat irgendwann auch eine Ruhepause verdient – am besten gleich an Ort und Stelle. Ich nutzte sie zu einem erholsamen Schlummer, der so tief gewesen sein muß, daß ich sogar Bauer Hurtigs Hahn überhörte. Als ich wieder zu mir kam, war heller Morgen und die Gespielin der Nacht verschwunden.

Gleich beim Heimkommen spürte ich, daß etwas nicht stimmte und das Unbehagen in der Luft mit meiner Person zusammenhing. Die Menschin fuhr gerade das Auto in die Garage. Der Boß trug die Koffer zurück ins Haus, in dem Baby krakeelte. Oma stand händeringend am Gartentor, rief »Was machen wir denn jetzt bloß?« und starrte mich an, als wäre ich ein Gespenst und nicht der liebe Mau.

Schlimm wurde es aber erst, als Putzi mich gewahrte und, alle guten Manieren vergessend, mich am Kragen packte und schrie: »Du Stromer, du Herumtreiber, du ignoranter Idiot! Wegen dir haben wir unser Flugzeug versäumt!«

So wütend und ohne jede Selbstbeherrschung hatte er mich noch nie geschüttelt. Auch die Menschin fand kein vermittelndes Wort. Nur Barzi verhielt sich normal. So kann’s nur jemandem ergehn, der nicht argumentieren und darauf hinweisen kann, daß sie Grund hatten, sich über sich selbst zu ärgern. Warum hatten sie denn das Fenster offen gelassen, durch das ich wie in allen anderen Nächten hinausgesprungen war!

Ihr Liebesentzug dauerte bis zum nächsten Morgen und schlug dann ins Gegenteil um. Am Flugschalter erfuhr meine so sehr auf Pünktlichkeit bedachte Familie, daß die Maschine, mit der sie eigentlich nach Amerika zurückfliegen wollte, in Neufundland notlanden mußte und daß es dabei wesentlich mehr Ärger gegeben hatte als nur einen verpaßten Termin.

Die fällige Entschuldigung nahm ich an, die Begründung beruhte auf einem weiteren menschlichen Irrtum. Denn der Instinkt, den der Boß mir jetzt so feierlich zuerkannte, war in Wahrheit ja gänzlich anderer Natur gewesen.

2016-10-12T18:48:30+00:00 Juni 28th, 2016|haustiere, Hund, Katze|0 Kommentare

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